Bühne

Dabei schafft das Bühnen- und Kostümbild den Raum der Imagination, der aber nur zusammen mit den anderen Elementen des Theaters Berechtigung und Bedeutung hat. Das Bühnenbild sowie die Kostüme stehen in der Spannung zwischen Bild und Text, zwischen Hören und Sehen, selbst dann, wenn auf der Bühne kein Wort gesprochen wird.

Vorsicht ist jedoch dabei geboten, das auf der Bühne Dargestellte nicht nur zu illustrieren. Im Gegenteil, es muss eine weitere Ebene ermöglicht werden. Ein guter Bühnen- und Kostümbildner sollte daher seine Entwürfe als immerzu in Bewegung oder Aktion befindlich betrachten, in Verbindung mit dem, was der Schauspieler, Sänger oder Tänzer einer sich entfaltende Szene geben kann.

Alles Bild auf der Bühne ist flüchtig: „picture in progress“. Gesten und Arrangements der Schauspieler, Sänger und Tänzer, Lichtstimmungen und Verwandlungen des Bühnen- und Kostümbildes. Alles bewegt sich. Theater ist eine Welt, die der Mensch geschaffen hat.

Es ist eine erdachte Welt. Die Ausstattung einer Produktion ist dabei nicht länger nur Illustration, sondern erhält dramaturgische Funktion und es gerät zunehmend unter den Einfluss aktueller Kunstströmungen. Was dabei zwischen den Künsten liegt ist Theater.

Performance

Gerade die performativen Künste – Theater, Performance, Tanz, Installationen – vermögen durch ihr partizipatives Potenzial, Spielräume für Erkenntnisse zu eröffnen. Diese theatrale Partizipation, verstanden als eine besondere Wahrnehmungsanordnung, die Akteure und Zuschauende in einer raumzeitlichen Co-Präsenz interagieren lässt, hat grundsätzlich experimentellen Charakter.

Hier kann ein Lernprozess in Gang gesetzt werden, der über das bereits Gekonnte und Gewusste hinausweist und die Macht des vorherrschenden Wissens in Frage stellt; ein Spiel, das dem ausschließenden entweder-oder der Wirklichkeit ein inklusives sowohl-als-auch gegenüberstellt.

Dieser Lernprozess gestaltet sich insbesondere in den „Performing Arts“ durch ein bestimmtes Verhältnis von Text – gefasst als komplexes Zeichengefüge – und Materialität des Körpers, dessen Präsenz nicht auf die Ebene der Bedeutung reduzierbar ist. Was wir durch ästhetische Erfahrung lernen können, ist ein kompetenter Umgang mit Komplexitätssteigerung.

Die Frage ist nun, wie man von dieser zunächst abstrakten Bestimmung zu konkreten politischen Umsetzungen findet.

Theater

„Das Theater benötigt eine permanente Revolution“ – Genau diese ständige Veränderung, das andauernde Streben nach Verbesserung und Perfektion, das Sich-Immer-Weiter-Entwickeln von Ideen und Vorstellungen, macht für mich die Faszination des Theaters aus.

Bei diesem Prozess spielen auch alle Beteiligten eine große Rolle. Es ist die Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Menschen in den verschiedensten Bereichen, die diese einzigartige Welt des Theaters ausmacht und die mich in meinen Arbeiten immer wieder aufs Neue inspiriert.

Da hier sehr viele Menschen gleichzeitig am Werk sind, ist jede Probe, jede Vorstellung immer wieder anders bzw. neu und dadurch mit einem gewissen Risiko-Zu-Versagen verbunden. Genau hier liegt für mich jedoch persönlich der Reiz des Theaters gegenüber dem Film, der es heute, mit all seiner Technik, dem Theater schwer macht, dem Publikum noch zeitgemäß zu erscheinen:

Egal wie viele Menschen sich Wochen-, ja Monatelang auf eine Produktion vorbereitet haben, vom Autor des Stückes bis hin zu den Bühnentechnikern, so gibt es am Tag der Vorstellung nie die Garantie, dass alles glatt läuft.

Beide Seiten, das Publikum, ebenso wie die Schauspieler, Sänger und Tänzer befinden sich sozusagen in einer anarchistischen Situation. Alles könnte passieren und wenn es dann aber einwandfrei funktioniert, dann hat es die Möglichkeit Begeisterung auszulösen.